" Dr. Jens Ipke Paulsen berichtet über Hals-Nasen-Ohrenärztliche Diagnostok bei Vaskulitiden" Die Beteiligung des Hals-Nasen-Ohren-Gebietes im Rahmen von Vaskulitiden ist uneinheitlich und abhängig von der Art der Gefäßerkrankung. Der Organbefall im HNO-Gebiet betrifft überwiegend die Nase, Ohren und den Kehlkopf. Nur selten sind Mundhöhle oder Rachen betroffen, ebenso gehören Veränderungen an den Ohrspeicheldrüsen, den Gesichtsnerven oder der Haut zu den Ausnahmen. Die Untersuchung der Nase beginnt mit der Inspektion der äußeren Nasenform und zeigt be der WG in vielen Fällen einen eingesunkenen Nasenrücken mit Ausbildung einer Sattelnase. Es ist daher besonders wichtig, jede neu aufgetretene Veränderung der äußeren Nasenform vor allem im Sinne einer Sattelnase!-umgehend abzuklären, um eine Vaskulitis auszuschließen bzw. frühzeitig zu diagnostizieren. Zur Inspektion des Naseninneren werden neben dem Nasenspekulum in erster Linie starre Optiken mit unterschiedlichen Winkelgraden sowie das Mikroskop benutzt. Hiermit lassen sich die Nasenhaupthöhlen, der Nasenrachen, die vorderen Bereich der Nasennebenhöhlen und die Nasenscheidewand beurteilen. Vaskulitische Schleimhautveränderung bei frischer Aktivität sind durch ein enorm gesteigerte Borkenbildung, spontane Blutungsneigung Verkrustungen und vor allem Granulation gekennzeichnet. Häufig läßt sich in der Nase auch ein charakteristischer stinkender Geruch wahrnehmen, der von dem schleimig-eitrigen Sekret unterhalb der Borken ausgeht. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es dann vielfach zu Gewebeeinschmelzungen, geradezu typisch ist die Zerstörung der knorpeligen Nasenscheidewand. Das hierdurch entstandene Loch wird als Septumperforation bezeichnet. Als Ausdruck einer abgelaufenen Entzündung können Verwachsungen zwischen den Nasenschleimhäuten auftreten. Die Beurteilung der Nasennebenhöhlen erfolgt durch die Computertomographie bzw. MRT. Hiermit lassen sich Veränderungen der Schleimhaut-beschaffenheit und der knöchernen Strukturen darstellen, die dem Auge des Untersuchers ansonsten verborgen bleiben würden. Während das CT vor einer geplanten Op.z.B Gewebeentnahme zur Diagnosesicherung- unverzichtbar ist, bietet das MRT den Vorteil, daß gleichzetig auch eine Diagnostik des Hirngewebes möglich ist. Vaskulitische Veränderungen der Ohren können das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr betreffen. Eine schmerzhafte Schwellung und Rötung,manchmal auch mit Ausbildung von Hautdefekten, sind typische Befunde entzündlicher Gefäßerkrankungen am äußeren Ohr. Bei Befall des Mittelohrs findet sich überwiegend eine schleimig-eitrige, zumeist übelriechende Ohrsekretion, entsprechend läßt sich unter dem Mikroskop ein Loch im Trommelfell nachweisen. Ein Übergreifen der Entzündung auf den Warzenfortsatz muß durch spezielle Röntgenaufnahmen immer abgeklärt werden, da in diesen Fällen die Gefahr ernsthafter Komplikationen, wie z.B. Hirnhautentzündung, besteht. Zusätzlich wird ein Abstrich entnommen, um nach Keimbestimmung eine gezielte antibiotische Behandlung einleiten zu können. Bei allen Patienten mit Ohrsymptomatik wird außerdem obligatorisch ein Hörtest durchgeführt. Er stellt die wichtigste Untersuchungsmethode zur Unterscheidung zwischen einer Schalleitungs- schwerhörigkeit und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit dar. Letzterer wird als Zeichen einer Vaskulitis der Innenohrgefäße gedeutet. Hierbei kommt es neben der Hörminderung, die bis zur vollständigen Ertaubung reichen kann, zu einem Völlegefühl im Ohr ( als ob man durch Watte hört ) und zum Auftreten von Ohrgeräuschen. Aufgrund der engen anatomischen Beziehung zu Gleichgewichtsorgan klagt ein Teil dieser Patienten auch über Schwindelzustände,die zumeist als Schwank-oder Drehschwindel angegeben werde. Eine seltene Komplikation in diesem Zusammenhang ist die Gesichtslähmung, die als Entzündung der Versorgungsgefäße des Gesichtsnervens gedeutet wird. Ein Kehlkopfbefall macht sich durch zunehmende Luftnot und Heiserkeit bemerkbar. Die Entzündlichen Schleimhautschwellungen betreffen dabei vorwiegend den subglottischen, d.h. unterhalb der Stimmritze gelegenen Bereich, wodurch sich eine lebensbedrohliche Verlegung der Atemwege entwikeln kann. Nach Abheilung der Granulationen bleiben manchmal Narbensegel zurück, die den Kehlkopf oder die Luftröhre einengen und zu einer dauerhaften Kurzatmigkeit führen. Der Nachweis von subglottischen Granulationen bzw. narbigen Verwachsungen erfolgt entweder endoskopisch oder durch MRT / CT. Der Vollständigkeit halber seien auch die Organe bzw. Organsysteme im HNO-Bereich erwähnt, in denen sich eine Vaskulitis nur sehr selten manifestiert: hierzu gehören die Mundhöhle, der Rachen ( mit Ausnahme des Nasenrachen ),die Speiseröhre, die Speicheldrüsen,die Gesichtshaut sowie die oben schon genannten Gesichtsnerven. Wie schwierig die Diagnose einer Vaskulitis sein kann,ist allgemein bekannt. Häufig benötigt man viele Einzelbefunde,die wie Mosaiksteinchen gesammelt werden müssen und erst ihre richtige Zusammensetzung ergibt das fertige Bild,d.h. die Diagnose. Ein ganz entscheidendes Mosaiksteinchen in der Diagnostik entzündlicher Gefäßerkrankungen stellt die Gewebebiopsie dar. So ist beispielsweise der Nachweis von Granulomen (Ansammlung spezieller Gewebezellen) und entzündlichen Gefäßwandveränderungen mit Nekroseherden ein fast untrügliches Zeichen für das Vorliegen einer WG. Ebenso finden sich histologische (d.h.feingewebliche) Veränderungen bei anderen Vaskulitiden. Leider hat dies Logik einen Haken:der Umkehrschluß ist nämlich nicht erlaubt! Der Nachweis von unauffälligem Gewebe in einer Biopsie bedeutet nicht, daß eine Vaskulitis ausgeschlossen ist. In vielen mir bekannten Fällen konnte erst nach mehrfachen Biopsien eine Gefäßentzündung gesichert werden. Somit sollten bei begründetem klinischem Verdacht bis zu endgültigen histologischen Sicherung einer Vaskulitis unbedingt wiederholt Gewebeproben entnommen werden!!! Darüber hinaus leistet die histologische Untersuchung aber noch mehr: sie ist in der Lage,Tumoren zu identifizieren,deren klinisches Bild sich nicht oder kaum von einer Vaskulitis unterscheidet. Schließlich kann die histologische Diagnostik dazu dienen,den Behandlungserfolg zu dokumentieren, indem das betreffende Gewebe bei der Nachuntersuchung keine oder deutlich geringere pathologische Veränderungen aufweist. Abschließend noch einige Worte zur Therapie von Vaskulitiden: diese erfolgt in erster Linie durch den Internisten. Allerdings kommen je nach Organbefall zusätzliche symtomatische Therapieformen zum Einsatz. Bei starker Borkenbildung und Verkrustung der Nasenhöhlen hat sich beispielsweise die Spülung mit Kochsalz sowie bei trockener Nase die Anwendung von weicher Nasensalbe oder Nasenöl bewährt. Einer plötzlichen Hörminderung durch vaskulitische Schädigung des Innenohres kann unterstützend mit durchblutungsfördernden Medikamenten begegnet werden, bei einem Paukenerguß führt häufig der Trommelfellschnitt,ggf. mit Paukenröhrcheneinlage zur nachhaltigen Verbesserung des Hörvermögens. Narbige Verengungen im Kehlkopfbereich mit langsamer Verschlechterung der Atmung sind eine Indikation zur Laserbehandlung, während bei rasch zunehmender, lebensbedrhlicher Atemnot sogar ein Luftröhrenschnitt erforderlich werden kann. Quelle: Dr.Jens ipke Paulsen Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirugie              Christian-Albrechts-Universität Kiel jetzt Dr. med. Jens ipke Paulsen HNO-Klinik am St. Marienhospital Vechta Marienstr. 6-8 49377 Vechta Tel. 04441-991341 Fax 04441-991342
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 Vaskulitische Schleimhautveränderung bei frischer Aktivität sind durch ein enorm gesteigerte Borkenbildung, spontane Blutungsneigung

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Seite aktualisiert am: 02.06.2016